Viele Motorradfahrer steuern sofort die Sahara an. Wir waren aber gespannt, was es in Tunesien noch zu erleben gibt und ob es sich lohnt, nicht nur in die Sahara zu fahren.
Wenn ihr wissen wollt, wie wir uns auf unseren Trip vorbereitet haben, schaut in unserem Artikel: Voge DS800X Rally – Umbauten Tuning, neues Zubehör, Wüste & Offroad
Wenn Vorfreude und Realität sich am Brenner treffen
Das erste Mal Afrika mit dem Motorrad – die Vorfreude war riesig.
Wäre da nicht Markus’ Unfall drei Wochen vorher gewesen. Die Schulter war beleidigt, wir waren nervös, und die Frage „Klappt das?“ stand wie ein Elefant im Raum. Aber Ruhe, Therapie und Sturheit zahlten sich aus. Der Urlaub rückte näher, und wir waren bereit. Nur das Wetter nicht. Für die erste Strecke nach Genua war Regen gemeldet.
Eins hat Markus zum Glück aus seinem Unfall gelernt. Vielleicht wäre eine Airbagweste doch nicht so schlecht. Kurz vor dem Urlaub hat er sich für diese Weste entschieden und hat es den ganzen Urlaub nicht bereut: Alpinestars Tech-Air 5 Plasma Airbag Weste*
Wir beschlossen, die Anfahrt auf drei Tage zu splitten – Markus’ Schulter sollte ja nicht gleich am ersten Tag kündigen.
Der Morgen der Abfahrt: Wir wussten, es wird nass. Wir wussten, es wird kalt. Aber 2 Grad und Dauerregen über den Brenner? Das war dann doch die Art Überraschung, die keiner braucht.
Jeder Biker kennt diesen Moment, in dem die Handschuhe* voll Wasser laufen und die Stiefel innen gluckern. Ab da macht Motorradfahren keinen Spaß mehr – egal, wie sehr die Griffheizung auf Stufe 3 glüht. Selbst die Unterhose war irgendwann nur noch ein nasser Fetzen, der an uns klebte.
Erste Unterkunft: Dusche himmlisch, Abendessen höllisch
Als wir endlich in der ersten Unterkunft ankamen, war die Dusche wie eine Wiedergeburt. Das Abendessen dagegen… sagen wir so: Abzocke auf italienisch. Jenny startete kurzerhand das Moped, fuhr los und kam mit Pizza und Lasagne zurück. Problem gelöst. Der Tag war scheiße, aber der Abend gerettet.
Am nächsten Morgen: Frühstück war traumhaft und eine riesige Auswahl. Das Wetter? Immer noch Regen! Aber hilft ja nichts – wir mussten weiter.
Tag 2: Wieder alles nass – und heute trifft es Jenny
Auf der Autobahn sahen wir immer mehr Biker, die genauso litten wie wir. Zum Glück gibt es an jeder Tankstelle Dieselhandschuhe, die sich in unserem Falle als sehr nützlich erwiesen – als Unterziehhandschuhe.
Es war fast tröstlich – so ein „Gemeinsam durch die Hölle“-Gefühl.
Nach drei Stunden war wieder alles nass, was wir am Abend zuvor mühsam mit dem Hotelföhn getrocknet hatten. Und heute war Jenny dran.
Denn Markus hatte sich am Morgen aus Versehen Jennys neue, wasserdichte Regenhose angezogen. Jenny blieb nur seine kaputte. Ergebnis: Jenny komplett durchnässt, Markus zumindest im Bereich der Unterhose trocken wie ein Keks. Das kommt davon, wenn man sich identische Regensachen kauft.
Das Weingut – Essen, Wein und endlich wieder Mensch sein
Unsere nächste Unterkunft lag mitten in einem Weingut – und das hat uns den Tag gerettet. Die Vermieterin, eine Portugiesin mit Herz und Humor, servierte uns einen Festschmaus mit hauseigenem Wein.
Wir erfuhren, wie man auf vier Hektar Wein zaubert und warum sie als Portugiesin in Italien lebt. Ein richtig gelungener Abend. Und das Wetter wurde endlich besser für die letzten 70 km nach Genua.
Genua – Chaos, Biker und 1000 Gänge bis zur Bar
Den Hafen von Genua muss man erstmal finden. Genua ist Chaos pur. Aber angekommen war alles entspannt. Überall Biker – alle heiß auf Routen durch Sand, Sahara oder einfach nur Urlaub waren. Genua ist einer der wichtigsten Mittelmeerhäfen, aber auch einer der Chaotischsten.
Wer hier zum ersten Mal reinfährt, fragt sich automatisch, ob es irgendwo eine geheime Abkürzung gibt, die nur Einheimische kennen. Papiere für die Motorräder, Einfuhr, Zoll, Pass – zack, zwei Stunden weg. Das Boarding ist unkompliziert: Moped rein, parken, Tasche schnappen, durch 1000 Gänge laufen, Kabine finden. Dann wieder 800 Gänge zur Bar auf Deck 8, wo die richtigen Benzingespräche beginnen.
Am nächsten Morgen hieß es ordentlich ausschlafen. Beim Aufwachen ist Tunis schon in Sicht. Die Einfuhr geht zügig und gut organisiert.
Der nördlichste Punkt Afrikas – und die erste Erkenntnis
Raus aus der Großstadt, rauf aufs Bike und direkt zu unserem ersten Stopp und den ersten Touren: dem Denkmal am nördlichsten Punkt Afrikas. Und ja – wir hatten Kaiserwetter für unsere Routen. Der Punkt liegt in Bizerte, einer der ältesten Städte Nordafrikas. Verrückt eigentlich, wie wenige wissen, dass Afrika hier oben beginnt: mit türkisblauem Wasser, schroffen Felsen und einem Blick, der eher nach entspanntem Mittelmeerurlaub aussieht als nach Sahara-Abenteuer. Genau diese Mischung macht den Moment so besonders – du stehst am „Tor zu Afrika“ und alles fühlt sich plötzlich ganz leicht an. Wenn du mehr über Tunesien wissen möchtest, kannst du dich z. B. hier erkundigen: https://www.saharatourism.com
Unser nächstes Ziel: eine alte Wüstensiedlung mitten im Nichts. Heute stehen nur noch ein paar Restmauern, aber genau das macht den Ort so spannend. Man läuft durch die Ruinen und fragt sich automatisch, wie diese massiven Bauten damals entstanden sind – ganz ohne Kran, ohne moderne Maschinen, nur mit purem Handwerk und einer Menge Ausdauer. Solche Plätze holen dich sofort aus der Gegenwart und werfen dich direkt in eine andere Zeit.
Was wir jedoch schnell merkten: Die Zimmersuche ist hier extrem schwer. Google und Booking funktionieren kaum. Wir hatten den Regen im Nacken und in dem Vorort der Wüstensiedlung haben wir nichts gefunden – also ging es 80 km weiter nach Kairouan.
Kairouan – heilig, historisch, aber leider auch sehr schmutzig
Hotel Central – sehr nobel, aber die schnellste Lösung. Kairouan ist eine der heiligsten Städte des Islam, UNESCO‑Welterbe, berühmt für seine Moschee und Teppiche. Aber gleichzeitig ist sie eine der schmutzigsten Städte, die wir je gesehen haben. Überall werden Reifenhaufen verbrannt, überall Müll, überall Gestank. Ein Ort voller Geschichte – aber auch voller Chaos.
Mahdia – Sonne, Meer und endlich ein Tipp
Nächstes Ziel unserer Routen: Mahdia – ein wenig Sonne tanken und das Meer genießen. Wir fanden eine sehr nette Unterkunft. Einfach, günstig und direkt am Meer und der Promenade gelegen. Mahdia ist eine ruhige Küstenstadt und sehr beliebt bei Tunesiern selbst. Die Medina liegt spektakulär auf einer Halbinsel, das Meer ist glasklar, und die Atmosphäre ist viel entspannter als in den touristischen Zentren.
Beim Essen erfuhren wir endlich, wie man in Tunesien richtig Zimmer sucht: Über Facebook – Ferienhäuser oder Wohnungen.
Nun langsam Richtung Sahara – und Gafsa, das uns sprachlos machte
Wir schlugen die Richtung Sahara ein und kamen nach Gafsa. Und waren sprachlos, wie dreckig eine Stadt sein kann. In jeder weiteren Stadt denken wir immer wieder: Die Letzte Stadt kann doch noch übertroffen werden! Gafsa ist eigentlich eine der ältesten Städte Tunesiens, früher ein wichtiges Zentrum für Oasenwirtschaft und Phosphatabbau.
Heute wirkt sie eher wie ein Ort, der zu schnell gewachsen ist und mit sich selbst nicht mehr hinterherkommt. Überall Plastikmüll, überall schwarze Rauchsäulen, wo Reifen, Plastik und Altöl verbrannt werden. Der Geruch ist beißend, schwer, fast ölig in der Luft. Bangkok war dagegen ein Wellnessurlaub. Wir beschlossen, schnell weiterzufahren.
Der Alleskönner‑Laden – und ein Geschenk von Herzen
Unsere Trinkrucksäcke* waren leer, also mussten wir Wasser finden. Irgendwann standen wir vor einem Gebäude, das man schwer in eine Kategorie pressen kann: ein bisschen Lagerhaus, ein bisschen Baumarkt, ein bisschen Supermarkt. Der perfekte Ort, wenn man gleichzeitig Eisenmatten, Mehl und einen Akkubohrer braucht – oder eben einfach nur Trinkwasser. Der Besitzer sah sofort, dass wir Reisende sind. Unsere Mopeds fallen hier auf wie zwei Elefanten im Vorgarten – große Maschinen, laut, und in dieser Gegend eher selten.
Als wir bezahlen wollten, schob er das Geld einfach zurück und schenkte uns die drei Liter Wasser. Ohne großes Gerede, einfach aus Freundlichkeit. So ein Moment bleibt hängen. Nicht dramatisch, nicht übertrieben – einfach ein ehrliches Stück Menschlichkeit mitten im Alltag.
Der Campingplatz – freundlich, komisch und am Ende doch ein Dieb
Weit außerhalb fanden wir einen Campingplatz und nisteten uns ein. Der Besitzer war freundlich, aber irgendwie… komisch. Kennt ihr das, wenn das Auge sagt „nett“, aber der Bauch sagt „nö“? Er war ständig in unserer Nähe, wollte uns alles verkaufen, war bemüht, aber auf eine Art, die einen nicht entspannen lässt.
Wir ließen uns trotzdem überreden, Abendessen und Frühstück zu buchen. Das Abendessen war überraschend gut – richtig lecker sogar. Das Bett dagegen eine Katastrophe. Es sah romantisch aus mit den Vorhängen, aber die Matratzen waren aus purem Stein. Wir mögen harte Betten, aber das war eine neue Dimension von hart.
Die Klima war außer Betrieb, Steckdosen gab es keine in der Nähe, und der Besitzer ignorierte alles, was ihm nicht in den Kram passte.
Am nächsten Tag dann die Erkenntnis: Wir wurden beklaut.
Unser Kabelschloss*, das wir mit Karabinern am Motorrad befestigt hatten um bei Gelegenheit mal die Helme und Jacken anzuschließen, war weg – und die Karabiner waren fein säuberlich wieder zugedreht. Leider haben wir es erst etwas später auf der Reise gemerkt, aber anhand der Fotos konnten wir es nachvollziehen.
Und wir waren die einzigen Gäste. Manchmal sagt der Bauch eben doch die Wahrheit.
Die Rommel‑Piste – wo die Sahara zeigt, wer hier das Sagen hat
Heute stand die Rommel‑Piste auf dem Plan. Ein Name, der klingt wie ein Kriegsfilm – und sich auch ein bisschen so anfühlt. Die Strecke wurde nach dem deutschen General Erwin Rommel benannt, der hier im Zweiten Weltkrieg unterwegs war. Heute ist sie ein Paradies für Offroad‑Fahrer und ein Albtraum für jeden, der Orientierung braucht.
Aber bevor wir überhaupt los konnten, brauchten wir Sprit. Und wie es immer ist: Je dringender man etwas braucht, desto weniger findet man es. In der letzten Ortschaft tauchte dann eine dieser typischen illegalen Tankstellen auf – Schmuggelbenzin aus Libyen oder Algerien, abgefüllt in Plastikflaschen. In Tunesien völlig normal, für uns aber jedes Mal ein kleines Abenteuer.
Wir brauchten 35 Liter für beide Mopeds. Der Verkäufer grinste mit jeder Flasche breiter, und als wir fertig waren, war er ausverkauft. Zum Glück hatten wir Oktan‑Booster dabei – die Qualität des Benzins ist… sagen wir: kreativ.
Dann ging’s los. Und die Rommel‑Piste machte alles vorherige vergessen. Oben am höchsten Punkt öffnet sich ein Blick, der einem erst zeigt, was „grenzenlos“ wirklich bedeutet: Nur flach, nur Weite, nur Steine, Sand und kleine Büsche. Keine Menschen, keine Autos, kein Lärm. Nur eine leichte Brise bei 35 Grad, die einem durchs Visier streicht.
Die Abfahrt war dann eine Mischung aus Schotter, Betonplatten und Löchern, die aussehen, als hätte jemand mit Absicht Fallen gebaut. Für Jenny war es eine Herausforderung – begleitet von einer ordentlichen Portion Fluchen und Verfluchungen im Headset. Markus hörte alles. Und grinste. Aber unten angekommen waren wir beide froh, diese Strecke gefahren zu sein. Es war eines der Highlights der ganzen Reise.
Nur die Orientierung… Die ist dort unten brutal. Keine Berge, keine Häuser, keine Schilder. Nur Sahara. Zum Glück hatten wir Guru Maps Pro, das offline perfekt funktioniert und uns sicher nach Chebika brachte.
Chebika – ein grünes Wunder mitten in der Steinwüste
Chebika ist eine der berühmtesten Oasen Tunesiens – und wenn man dort ankommt, versteht man warum. Eben noch Steinwüste, Hitze, Staub… und plötzlich stehst du unter Palmen, 15 Grad kühler, Wasser plätschert durch Kanäle, Kinder baden, Händler rufen, Datteln hängen über dir.
Ein Ort, der wirkt, als hätte jemand mitten in die Sahara ein Stück Paradies kopiert. Natürlich will jeder etwas verkaufen oder eine Führung anbieten. Wir fanden sogar ein Zimmer – aber keiner war da. Und bei 40 Grad im Schatten wartet man nicht lange. Also fuhren wir weiter nach Tozeur.
Wollt ihr wissen, wie es weiter geht? Dann schaut in Teil 2 unserer Reise nach: Teil 2 Unserer Tunesienreise
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