Habt ihr noch nicht Teil 1 unserer Tunesien-Motorrad-Tour gelesen? Dann schaut euch erst den Anfang des Berichtes an: Tunesien – Eine Motorradtour nicht nur durch die Sahara
Tozeur – Oasenstadt, Dattelparadies… und unser persönlicher Abzock‑Albtraum
Tozeur ist eigentlich wunderschön:
Eine große Oase, berühmt für ihre Datteln, ihre Backsteinarchitektur und als Drehort für mehrere Filme. Viele nennen sie „die Stadt der Palmen“. Wir erwischten allerdings die falsche Unterkunft.
Der Vermieter hatte nichts frei, aber „Familie hat Platz“. Er stieg ins Taxi, fuhr vor und zeigte uns ein Hüttchen – eher ein Geräteschuppen als ein Zimmer. Die ganze Anlage war eine Auffangstation für Hunde. Süß, aber… schwierig. Viel Zeit zum Nachdenken blieb uns nicht. Er kassierte schnell ab, wir mussten das Taxi zahlen, und weg war er.
Wir standen etwas perplex unter Palmen, hungrig, durstig, ohne Essen, ohne Trinken, umgeben von Hunden und hunderten Fliegen mitten in Tunesien. Die Hütte füllte sich in kürzester Zeit mit Fliegen – als hätten sie auf uns gewartet.
Dann die Dusche. Markus eingeseift, Haare schamponiert, bereit für Erlösung. Theorie: Wasser marsch. Praxis: erst kaltes und dann kein Wasser. Nur stickige, heiße Luft in einer Wellblechdusche, die sich anfühlte wie ein Backofen. Markus’ Zündschnur war in diesem Moment ungefähr fünf Millimeter lang.
Und dann kam der richtige Besitzer – freundlich, gut gelaunt, völlig ahnungslos. Er merkte sofort, dass sein Nachbar uns beschissen hatte. Gab uns das Geld zurück und meinte, er besucht jetzt mal seinen „lieben Nachbarn“. Wir hoffen, er lebt noch.
Endlich: ein Traumhotel in Tozeur
Wir fanden ein verstecktes Hotel – Dusche, Klima, Pool. Einfach, aber nach dem Fliegenhaus echt ein Traum. Von hier aus konnten wir perfekt unsere Ziele und Touren ohne Gepäck anfahren.
Ras El Aiin – eine Oase, die ein Golfplatz gekillt hat
Ras El Aiin war früher eine blühende Oase – bis ein Golfplatz gebaut wurde, der so viel Wasser schluckte, dass die Palmen vertrockneten. Heute stehen nur noch riesige Statuen – ein surrealer Anblick. Die ersten Kameltreiber wollten Geld für Fotos. Aber wir wollten echte, freilaufende Kamele oder Dromedare auf unserer Motorradtour sehen.
Star Wars die Erste – Tatooine in der Salzwüste
Mitten in der Salzwüste ging es zu einer unserer Offroad Routen: der Drehort von Tatooine. Eine kleine runde Hütte, ringsherum nur Salz und Sand. Markus drehte Runden wie ein kleiner Junge. Jenny machte erste Sand‑Erfahrungen – geradeaus war schon genug.
Star Wars die Zweite – Mos Espa, Touristenmagnet und Kameltreiber‑Invasion
Mos Espa ist der berühmteste Star‑Wars‑Drehort Tunesiens. Natürlich ging es dort auch wieder Offroad in den Sand. Die Heimat von Anakin Skywalker. Heute ein Magnet für Touristen, Quads, 4×4 und gestellte Kamele. Zwei Kameltreiber liefen uns ständig hinterher: „Foto, Foto!“
Wir machten uns einen Spaß: Kurz bevor sie bei uns waren, schwangen wir uns auf die Mopeds und fuhren ein Stück weiter. Sie checkten nicht, dass Jennys Insta360* lief.
Wir hatten die Fotos längst.
Auf dem Rückweg: nur Sand und echte Dromedare, die sich dachten: „Was machen die hier auf meiner Wiese?“
Lost Place – der verbrannte Bus & Markus’ Donuts
Mitten in der Salzwüste: ein alter Bus, ausgeschlachtet, ausgebrannt. Ein Relikt, das aussieht, als hätte Mad Max hier Pause gemacht. In der Ferne sahen wir einen Hügel – aber es war nur ein Sandhaufen mit einem Wasserloch. Hier wurde Salz abgebaut. Unsere Pickerl durften natürlich auch nicht fehlen.
Fotos gemacht. Irgendwie seltsam war es schon. Eine unendliche Weite zum Schauen und mitten drin ein alter Bus. Auf dem Rückweg überkam Markus der Spieltrieb. Er zog Donuts in die Salzkruste – und übertrieb natürlich.
Ganz nach dem Sprichwort von Terence Hill: „Da hat’s bums gemacht und unten isser.“
Douz – Café Sahara, Tor zur Sahara & die Big Duna
Douz. Schon der Name klingt nach Abenteuer – oder nach einem Ort, an dem man sich fragt, warum man das eigentlich macht. Jeder Biker kennt es: das legendäre Tor zur Sahara, das Foto davor ist Pflicht. Wer’s nicht hat, war offiziell nicht da.
Dann das Café Sahara – der Treffpunkt aller, die glauben, sie hätten die Wüste im Griff. Espresso mit Sandgeschmack inklusive. Am Abend geht’s zur Big Duna. Der Plan: tolle Fotos, Sonnenuntergang, Enduro‑Romantik. Die Realität: Sand zu weich, Mopeds zu schwer, Fahrer zu optimistisch. Spaßfaktor? Null. Adrenalin? Nur beim Versuch, das Motorrad wieder auszugraben.
Merke fürs nächste Mal: Im Winter fahren. Kleine Bikes. Und vielleicht vorher kurz prüfen, ob man wirklich Lust auf Fitnessstudio in der Wüste hat.
Die geheime Bierquelle
Nach dieser schweißtreibenden Aktion war klar: Wir brauchten ein Bier. Kein Wasser, kein Cola, kein Minztee – ein richtiges, kaltes Bier.
Das Problem: In Tunesien ist Bier ungefähr so leicht zu finden wie ein Schneemann in der Sahara.
Doch unser Vermieter – ein Mann mit Connections, die vermutlich bis in die Unterwelt reichen – flüsterte uns einen heißen Tipp zu: RESTAURANTE LA PORTE DE SAHARA.
Klang erstmal nach Touristenfalle mit Plastikpalmen und warmem Fanta.
War’s aber nicht.
Ein paar Meter durch den Sand, vorbei an einem Security-Mann, der aussah, als würde er eher ein Geheimnis bewachen als ein Restaurant. Ohne den Tipp wären wir da nie reingefahren – zu düster, zu versteckt, zu „das sieht nicht nach Bier aus“.
Drinnen: Lichtstimmung irgendwo zwischen „Höhle“ und „Endzeitfilm“. Aber die Bude war voll, die Stimmung gut, und unser Dealer des Vertrauens – nennen wir ihn einfach den Mann, der Träume verkauft – hatte alles.
Bier. Wein. Und das Gefühl, wieder Mensch zu sein.
Nach zwei Wochen Abstinenz schmeckte das erste Bier wie flüssiges Gold.
Belohnung pur.
Man könnte sagen: Die Wüste hatte uns fast verschluckt – aber das Bier hat uns wieder ausgespuckt.
98 km geradeaus, Matmata & Star Wars die Dritte
Die Hitze in der Wüste ist kein Spaß – sie frisst sich durch die Klamotten, durch die Haut, bis ins Hirn. Irgendwann denkt man nur noch in Schweißperlen. Also war der Entschluss klar: Ab ans Meer. Doch Tunesien wäre nicht Tunesien, wenn der Weg dorthin nicht erstmal eine kleine Prüfung wäre.
98 Kilometer geradeaus. Kein Schatten, kein Highlight, kein „Oh, schau mal da!“ – nur Asphalt, Sand und die Frage, ob man sich das mit dem Motorradfahren wirklich gut überlegt hat. Man fährt, und fährt, und fährt. Die Sonne lacht, wir schwitzen, das Navi sagt stoisch: „Geradeaus.“ Irgendwann glaubt man, die Straße sei eine Zeitschleife – immer derselbe Stein, immer derselbe Busch, immer derselbe Gedanke: Warum tun wir uns das an?
Aber dann, endlich: Matmata. Ein Ort, der aussieht, als hätte Tatooine ein Airbnb eröffnet. Hier war ein Stopp geplant – nicht, weil wir mussten, sondern weil wir wollten. Nach 98 Kilometern Wüsten-Realität ist selbst ein Schatten ein Highlight.
Star Wars – Die Dritte Episode unserer Wüsten-Saga
Das Hotel Sidi Driss – klingt harmlos, ist aber Filmgeschichte pur. Unterirdisches Zuhause der Familie Lars, wo Luke Skywalker einst seine Milch trank und von besseren Zeiten träumte. Gedreht wurde hier gleich zweimal:
Episode IV – Eine neue Hoffnung (1976)
Episode II – Angriff der Klonkrieger (2000)
Heute ist das Ganze ein Museum – ein bisschen verstaubt, aber mit ordentlich Star-Wars-Vibes. Lohnt sich definitiv für einen kurzen Stopp, bevor man wieder in die Realität zurückkehrt.
Unterwegs wurden wir allerdings von kleinen Mopeds verfolgt – die Tatooine-Version von Straßenverkäufern. Während wir fuhren, wurde uns eine „exklusive Stadtführung“ angeboten. Wir sollten einfach unsere Motorräder stehen lassen und mitkommen. NEIN DANKE. Ganz so blöd sind wir dann doch nicht.
Djerba
Nach einigen Kilometern kam uns endlich mal wieder ein großes Motorrad entgegen – eine echte Rarität hier. Natürlich sofort Stopp und Smalltalk. Ein Italiener auf einer alten, ramponierten Transalp, unterwegs nach Ksar Ghilane und Douz. Wir empfahlen ihm unser Zimmer und wünschten eine sichere Fahrt. Wie man so schön sagt: Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Wir fuhren weiter Richtung Rosa Lake, kurz vor Djerba – aber den See haben wir nie gefunden. Die Hitze war gnadenlos, und irgendwann beschloss ich: Scheiß auf den See, ich will den Pool. Der Weg dorthin führte über die Causeway Bridge – halb Damm, halb Brücke, fast 7 Kilometer übers Meer. Ein emotionaler Moment: Nach all den Kilometern, Eindrücken und Schweißattacken endlich das Ziel erreicht, das andere nur mit dem Flieger schaffen. Ja, wir sind stolz. Und ja, das klingt arrogant – aber verdient.
Die Küstenstraße auf Djerba ist ein Traum: Strand, Meer, Sonne.
Und dann hupen die ersten Autos – Urlauber, die unser Kennzeichen erkennen, winken, Daumen hoch.
Solche Momente machen alles wett.
Im Hotel angekommen: Upgrade. Das einzige Zimmer mit Balkon, Blick auf den Pool und einen perfekt angelegten Garten mit romantischer Beleuchtung. Nach all dem Staub, Schweiß und Abenteuer – fast kitschig schön. Aber hey, selbst Helden brauchen mal ein Happy End.
Und wie es der Zufall will, kommt am zweiten Tag der Italiener um die Ecke – genau in dem Moment, als ich gerade meinen Espresso kochte. Den Duft hat er wohl gerochen, denn das war das einzige im Hotel, das wirklich eine Katastrophe war.
Und wie es der Zufall will, kommt am zweiten Tag der Italiener um die Ecke – genau in dem Moment, als ich gerade meinen Espresso kochte. Den Duft hat er wohl gerochen, denn das war das einzige im Hotel, das wirklich eine Katastrophe war. Er strahlte, als er uns sah – Gleichgesinnte erkennt man eben sofort, egal ob in der Wüste oder am Pool.
Und wie das so ist, wenn zwei Reisende mit Benzin im Blut und Geschichten im Gepäck aufeinandertreffen: Es wurde geredet, gelacht, philosophiert.
Zwei Tage lang hatten wir quasi Englischkurs intensiv, mit viel Gestik, noch mehr Lachen und dem Gefühl, dass man sich irgendwo zwischen Djerba und Tatooine gar nicht so fremd ist. Manchmal schreibt das Leben die besten Drehbücher – und der Espresso war dabei nur die Nebenrolle.
Sfax – Chaos mit Charme
Langsam nähern wir uns dem Ende unserer Tour – noch einige Kilometer bis Tunis, aber genug Zeit für ein paar Stopps. Nächster Halt: Sfax. Eine Stadt, die das Chaos perfektioniert hat. Ehrlich, wer hier Auto fährt, braucht keine Nerven – er braucht göttliche Eingebung.
In der Altstadt dagegen: fast gespenstische Ruhe. Kaum Touristen, dafür wunderschöne Gewürzstände, Obst und Gemüse in Topqualität.
Nur der Müll – überall. Die Stände sehen aus wie aus einem Reisemagazin, aber die Gänge dazwischen wie aus einem Katastrophenfilm. Wir verstehen’s nicht. Tunesien, du bist manchmal ein Rätsel.
Nach ein paar Minuten in den Gassen war die Orientierung endgültig Geschichte – wir standen plötzlich am anderen Ende der Altstadt. Aber das hatte auch Vorteile: Durst und Hunger trafen sich zufällig genau dort, wo ein kleiner Imbiss wartete.
Die Überraschung: Wir wurden freundlich empfangen, bekamen einen Tisch und zwei Stühle im hinteren Bereich. Der Raum? Weiß gefliest bis zur Decke, Abfluss in der Mitte, Fleischerhaken an der Decke, daneben das Klo. Und dann kam Opa im Nachthemd aus dem Hinterzimmer, um zu sehen, wer da ist. Andere Länder, andere Sitten – aber ein bisschen Scary Movie war’s schon. Wir nahmen’s mit Humor. Sie meinten es ja gut mit uns.
Im Hotel dann das Kontrastprogramm: Zimmer im 8. Stock, Blick über die Stadt. Auf dem Balkon ein kaltes Bier und ein Glas Wein – unser persönliches Abendprogramm. Unten tobte das Verkehrschaos, oben war Ruhe. Und ehrlich: Bei dem, was da unten alles passiert, braucht man keinen Fernseher. Sfax liefert Live-Action gratis.
Hammamet – Touristen, Tricks und Taktgefühl
Unser nächstes Ziel kennt jeder: Hammamet. Klingt nach Sonne, Strand und Entspannung – wäre da nicht die Realität. Denn hier spricht jeder Zweite Deutsch oder Englisch, und jeder Dritte versucht, dich mit einem Lächeln und einem Trick um ein paar Dinar leichter zu machen.
Die Verkäufer sind wahre Profis – trainiert, fokussiert, gnadenlos charmant.
Das beste Beispiel: Ein Typ begrüßt uns freundlich auf Deutsch.
„A hallo, wie geht? Ich bin euer Koch vom Hotel! Hab gerade Zeit, soll ich euch die Stadt zeigen?“
Klingt nett, oder?
Wir sagten höflich nein, und wollten ihm erklären, dass wir garkeinen Koch haben.
Zack – beleidigt.
„Ihr nicht freundlich!“ – und weg war der Charme.
Andere Variante:
„Du gucken im Geschäft, du freundlich sein!“
Man denkt sich nichts, geht rein – und schon geht’s los:
„Du kleinigkeit kaufen, du freundlich sein, Geschenk für Frau!“
Sagt man nein, kippt die Stimmung sofort.
Von „Welcome my friend!“ zu „Du böse Tourist!“ in drei Sekunden.
Nach zwanzig Metern Altstadt hat man die Nase voll.
Die ersten Verkäufer machen den Rest kaputt – man will nur noch raus.
Schade eigentlich, denn hinter all dem Chaos steckt sicher auch echtes Leben.
Aber Hammamet zeigt uns: Nicht jeder Ort mit Meerblick ist automatisch entspannt.
Heimfahrt mit Olivenöl und Chaos
Nach drei Tagen hieß es Abschied nehmen – ab zur Fähre. Aber natürlich nicht ohne gutes Olivenöl. Die Frage war nur: Wohin damit? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – und wir schafften es tatsächlich, fast drei Liter unterzubringen. Man könnte sagen: Schmuggeln für Gourmets.
An der Fähre trafen wir einen entspannten Bozner – das genaue Gegenteil der vier slowenischen Paare, die kurz darauf auftauchten.
Dicke BMWs, dicke Sprüche, und eine Portion Hektik, die selbst die Crew nervös machte.
Auf dem Schiff ging’s weiter: Sie besetzten den größten Platz, machten den größten Schweinestall und sorgten für Lärm ohne Ende.
Arroganz-Level: komplette Fußballmannschaft auf Siegestour.
Aber was soll’s – 38 Stunden durchhalten, dann hieß es wieder Kilometer fressen und heimwärts. Ein bisschen Wehmut war dabei, klar. Doch der Kopf war voll mit Eindrücken, Geschichten und Momenten, die man nicht vergisst.
Rückblick & Ausblick – Zwei Verrückte auf zwei Rädern
Andere mögen uns belächeln – sollen sie. Denn bevor man über uns urteilt, sollte man erstmal unsere Ziele erreichen. Wir fahren das, was wir uns zutrauen, nicht um zu beeindrucken, sondern um gesund wieder nach Hause zu kommen.
Natürlich gibt’s unterwegs auch mal Reibung – Sonne, Staub und 40 Grad sind kein Wellnessprogramm. Da kommt’s schon vor, dass wir uns kurz nicht leiden können. Aber zum Glück vergeht das schnell, und dann sind wir wieder das, was wir immer sind: Zwei Verrückte mit Abenteuerlust und einem Hang zum Unvernünftigen.
Wir erleben traumhafte Touren, sammeln Geschichten, die man nicht kaufen kann,
und sind einfach glücklich, uns gefunden zu haben. Das nächste Abenteuer?
Schon in Planung.
Also bleibt dran – die Welt ist groß, und wir haben noch einiges vor.
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