SUZUKI GSR 750

SUSZUKI GSR 750 Burnout

Man sagt ja, man soll sich nicht in Dinge verlieben, die man reparieren muss. Wir sagen: Challenge accepted.

Die Suzuki GSR 750 kam gebraucht zu uns – mit mehr Macken als ein Teenager in der Pubertät. Umgefallen war sie auch schon. Der Tank hatte die Form einer Kartoffel, der Endtopf klang wie ein rostiger Laubbläser. Aber hey, Liebe ist bekanntlich blind – und manchmal auch taub.

Also wurde erstmal ausbeult, lackiert, geschraubt und geflucht. Der neue Endtopf? Sportlich. Die neue Folierung? Camouflage. Die Arbeit? Ein Albtraum.

Die Maske haben wir dreimal foliert – jedes Mal mit dem Gefühl, dass die Folie uns gleich die Scheidung einreicht. Felgen beklebt, Motorschutz montiert, Lichtmaske auf LED umgebaut – jetzt leuchtet sie wie ein UFO auf Speed. Wenn sie könnte, würde sie wahrscheinlich selbst abheben.

Mitten im Winter, alles fertig. 23 Uhr.
Fünf Monate lang nur gestreichelt, geputzt und mit Wattestäbchen gepflegt.
Dann die Frage: Starten oder Nachbarn schonen?
Antwort: Natürlich starten.
DB-Killer vergessen.
Sound? Orkanstufe 12.
Die Nachbarn? Wahrscheinlich mit Ohrstöpseln unter der Bettdecke.
Wir? Pippi in den Augen.
Das Biest lebt. Und es schreit.

Die erste Ausfahrt hätte eigentlich der große Moment werden sollen: Wir waren hochmotiviert, gaben ordentlich Gas und freuten uns darauf, das Biest endlich frei laufen zu lassen. Doch schon nach wenigen Kilometern bemerkten wir, dass uns die Zivilpolizei im Schlepptau hatte. Ganze 4,5 Kilometer folgten sie uns, beobachteten jeden Zug am Gasgriff und jede kreative Interpretation der Straßenverkehrsordnung. Am Ende standen drei Beamte vor uns, neun Vergehen auf dem Zettel und eine Videoanalyse, die unseren Fahrstil als „sportlich bis grenzwertig“ einstufte. Wir nennen es lieber Ausdruckstanz auf zwei Rädern. Die Strafe umfasste vier Seiten, der Betrag war vierstellig, und ja – der Lerneffekt war definitiv vorhanden. Unser Fahrstil? Sagen wir so: Er befindet sich weiterhin in einer sehr lebhaften Findungsphase.

Dann folgte die erste große Reise nach Kroatien. Die Maschine war beladen wie ein Kamel, wir steckten in der Lederkombi bei 40 Grad, und die Straßen boten Kurven, die süchtig machen. Trotz Schweiß, Hitze und Gepäck hatten wir ein Grinsen unter dem Helm, das selbst die Sonnencreme nicht wegwischen konnte. In solchen Momenten merkt man, wie schön das Leben sein kann – zumindest solange kein Blaulicht im Rückspiegel auftaucht. Und je weiter wir Richtung Küste rollten, desto klarer wurde uns, dass genau diese Mischung aus Freiheit, Wahnsinn und ein bisschen Selbstüberschätzung der Stoff ist, aus dem die besten Erinnerungen entstehen. Abends, völlig erledigt, aber glücklich, saßen wir dann am Meer, hörten das Knacken des abkühlenden Motors und wussten: Für solche Tage lohnt sich jede Schraube, jeder Tropfen Schweiß und jede noch so verrückte Idee

Die Suzuki GSR 750 ist im Grunde der ungezogene Cousin der GSX‑R: stark genug, um dich zu begeistern, unvernünftig genug, um dich finanziell zu ruinieren, und zuverlässig genug, um dich immer wieder positiv zu überraschen. Der Vierzylinder schreit, als hätte er ein Dauerabo im Fitnessstudio, und das Handling ist so agil wie ein Terrier auf Red Bull. Optisch macht sie mit unserer Camouflage‑Folie den Eindruck, als wäre sie bereit für einen militärischen Einsatz – oder zumindest für den Parkplatz vor dem Supermarkt. Ihr Charakter ist eine Mischung aus „Ich will Spaß“ und „Halt mal mein Bier“, und genau deshalb lieben wir sie.