Freitag, Regen, Realitätsflucht
Wie wir zu der KTM 790 Adventure kamen:
Freitag Nachmittag. Grau. Nass. Die Aprilia RS 660 steht in der Garage und schaut uns an wie ein enttäuschter Hund, der weiß: Heute wird nicht Gassi gegangen. Zwei Jahre alt, topfit, ein echtes Kurvenmesser – aber auf langen Touren so bequem wie ein Klappstuhl aus den 80ern. Gepäck? Nur mit Improvisation, Spanngurten und dem festen Glauben an die Physik. Sitzhaltung? Eher „Yoga für Fortgeschrittene mit Bandscheibenvorgeschichte“. Also kam der Satz, der alles ins Rollen brachte: „Wir fahren nur mal schnell zu Kini Bike World. Nur schauen.“
Erfahrungen und Beratung mit Holz und Humor
Gesagt, getan. Drinnen warm, draußen Weltuntergang. Die Mitarbeiter? Top. Kompetent, ehrlich und für jeden schlechten Witz zu haben – also genau unser Niveau. Wir lachten viel. Vielleicht auch, weil wir ahnten, dass wir gleich Geld ausgeben würden, das wir eigentlich für Campingplätze und Zimtschnecken eingeplant hatten. Beim Probesitzen wurde schnell klar: Jennys Beine sind kurz, die Sitzhöhe ist hoch – eine Kombination, die selbst bei IKEA nicht funktioniert.
Aber dann kam sie: KTM 790 Adventure. „Die kann man tieferlegen“, hieß es. Niedrige Sitzbank, andere Federn – alles machbar. Und zur Simulation der Sitzhöhe wurden uns zwei 10×10-Kanthölzer gebracht. Eine wackelige Angelegenheit, irgendwo zwischen Akrobatik und Vertrauenstest. Niemand lachte. Außer wir. Und das Holz.
Warum 10 cm? Weil die KTM 7 cm tiefergelegt werden kann – und für Frauen gibt’s Motorradschuhe mit Absatz. Daytona sei Dank. Probefahrt? Nicht möglich. Außer jemand hätte Jenny an jeder Kreuzung aufgefangen wie ein Stuntdouble mit Knieproblemen.
Der Satz, der alles besiegelt
lso vertrauten wir den Verkäufern. Und ihrer Erfahrung. Und ihrem Humor. Schnell wurde noch das große Tech-Pack geordert, zwei Seitenkoffer, eine Hecktasche – und plötzlich erinnerte sich jemand an den Satz vom Anfang: „Wir fahren nur mal schauen.“
Die erste Fahrt – und ein großartiges Fahrgefühl
Der Vertrag war unterschrieben, das Gerät stand bereit – und die erste Probefahrt führte genau 12 Kilometer weit: nach Hause, in die Garage. Aber nach den ersten Metern war klar: Das ist Jennys Motorrad. Tiefer Schwerpunkt, Kurvenverhalten wie ein Tanzpartner mit Hüftschwung, und Komfort, der die Aprilia wie ein Folterstuhl wirken lässt. Schlaglöcher? Schluckt sie wie ein Festivalbesucher das dritte Bier. Gelände? Kein Problem mehr. Schotter macht plötzlich Spaß. Jenny grinst. Und wir wissen: Das war keine Fehlentscheidung. Das war ein Upgrade fürs Leben.
Für die Navigation wurde das SP Connect System verbaut mit Handyhalterung*, Antivibrationsmodul* und wasserdichtes Handycover*. Die hält bombensicher.
Ein paar technische Details zur KTM 790 Adventure
Die KTM 790 Adventure gilt unter vielen Fahrer:innen als technisch solides Motorrad. Besonders positiv hervorgehoben wird der Verbrauch: Mit rund 4 Litern auf der Landstraße fährt sie überraschend sparsam. Auch der Kettensatz zeigt sich langlebig – selbst nach 23.000 Kilometern berichten Nutzer von kaum sichtbarem Verschleiß. Wir haben noch eine Hinterradbremspedal-Trittplatte* verbaut um offroad besser bremsen zu können.
Inzwischen wird die 790 Adventure bei CF-Moto in China gefertigt, was zwar für Diskussionen sorgt, aber der Qualität bislang keinen spürbaren Abbruch tut. Die Ausstattung ist für die Mittelklasse beeindruckend: 95 PS und 87 Nm Drehmoment sorgen für ordentlich Vortrieb. Dazu kommen moderne Features wie eine 6-Achsen-IMU für Schräglagenkontrolle, Ride-by-Wire, Kurven-ABS und Traktionskontrolle. Optional lassen sich Tempomat, Quickshifter und ein Navigationssystem ergänzen – allerdings alles gegen Aufpreis.
Die Sitzhöhe liegt je nach Konfiguration zwischen 840 und 860 mm, was für kleinere Fahrer:innen durchaus sportlich ausfallen kann. Das Cockpit bietet ein 5-Zoll-TFT-Display, allerdings sind Fahrmodi und Heizgriffe nur über das Menü erreichbar – Direktbuttons fehlen , was die Bedienung unterwegs etwas umständlich macht. Es gibt jedoch die Möglichkeit Favoriten auf die Pfeiltasten zu legen und somit eine Schnellauswahl zu haben. Häufig genutzte Menüpunkte wie Musik, Fahrmodus oder Heizgriffe können damit auf Knopfdruck bedient werden.
Fazit: Die 790 Adventure ist technisch stark und bietet viel fürs Geld.
Wer’s mag, liebt sie. Wer nicht, fährt halt was anderes.
Frage an euch
Kauft ihr eure Motorräder auch so? Ohne Probefahrt, mit Holz unter den Füßen und einem Verkäufer, der mehr über Sitzhöhe weiß als über seine Steuerklasse? Wir sind gespannt.
Falls ihr mehr über dieses Bike erfahren wollt, schaut doch einfach auf der offiziellen Produktseite von KTM: https://www.ktm.com/en-int/models/travel/ktm-790-adventure-2023.html.
Und wem die 790ger zu klein ist, kann sich gerne unseren Bericht der KTM 1290 R Adventure – Wenn Wahnsinn ein Kennzeichen hätte ansehen.
Die neue Farbe für die KTM 790 Adventure
Aktuell bekommt die KTM übrigens ein komplett neues Kleid – und sobald das frische Design drauf ist, erzählen wir hier im Bericht natürlich alles darüber.
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