Du hast den ersten Teil unserer Reise durch Nordthailand noch nicht gelesen? Dann schau hier und lies Teil 1 unserer Erfahrungen: Thailand hautnah: Eine Reise voller Magie – und ein Motorradtrip durch den wilden Norden
Ban Rak Thai – Tee, Nudelsuppe, Kurven & eine Bikerfreundschaft, die einfach passt
Am nächsten Morgen trafen wir sie wieder, weil wir alle gleichzeitig am Packen waren, und wie das so ist, wenn Biker aufeinandertreffen: Man kommt ins Gespräch, als würde man sich schon ewig kennen. Keine fünf Minuten später beschlossen wir, ein Stück gemeinsam zu fahren. Da wir ja nie planen – unser Motto ist eher „schauen wir mal, wird schon passen“ – ging es für uns noch weiter in den Norden, zu einem ganz besonderen See. Und mit dabei: Miss Sophie. So heißt die Hündin. Und ja, sie fährt wirklich wie eine kleine Königin am Bike mit, als wäre das alles völlig normal.
Unser Ziel war Ban Rak Thai, ein kleines chinesisch geprägtes Dorf in Nordthailand, das sich rund um einen malerischen See schmiegt. Außen herum ziehen sich Teeplantagen die Hügel hinauf, so perfekt eingebettet, dass man meinen könnte, jemand hätte sie mit Lineal und Pinsel gemalt. Uns kam vor, als würde die Zeit hier langsamer ticken. Überall sitzen Menschen, trinken duftenden Tee, schauen auf den See und wirken, als hätten sie das Geheimnis des Lebens längst gelüftet.
Das Dorf entstand um 1940, als in China Bürgerkrieg herrschte und viele Menschen hier ein neues Leben begannen. Und sie haben es so gebaut, dass man wirklich glaubt, man wäre in China gelandet – liebevoll, detailreich, mit all den typischen Elementen, die man aus chinesischen Dörfern kennt. Wir genossen ein hervorragendes chinesisches Essen direkt am See, bevor wir wieder auf die 1095er Bundesstraße einbogen, wo die Kurven nicht weniger wurden.
Gemeinsam suchten wir uns später eine Unterkunft, um den Abend noch miteinander zu verbringen – inklusive einer traditionellen Pizza vom thailändischen Italiener, die überraschend gut war. Danach noch schnell in den 7-Eleven, eine Flasche Wein und ein paar Bier eingepackt, und zurück ins Resort, wo wir weiterquatschten. Und je länger wir redeten, desto klarer wurde: Wir drei ticken komplett gleich. Sie kommt ursprünglich aus der Ukraine, ist nach Bangkok ausgewandert und lebt seit über 20 Jahren in Thailand. Und als wäre das nicht schon spannend genug, ist sie auch noch Präsidentin der Women Riders World Relay Thailand.
Eine Frau, die Motorrad fährt, mit Hund reist, seit zwei Jahrzehnten in Thailand lebt und eine internationale Frauen-Biker-Organisation leitet – kein Wunder, dass wir uns sofort verstanden haben. Und dann stellte sich heraus, dass sie noch einen Traum auf ihrer To‑Do‑Liste hat: einmal mit einer Vespa durch ganz Italien zu fahren. Logisch, dass wir sie dabei unterstützen müssen. Der Startpunkt? Natürlich bei uns im Zillertal. Wenn schon, denn schon. Wir haben ihr sofort versprochen, dass wir ihr helfen, einen perfekten Start hinzulegen – schließlich beginnt jedes gute Abenteuer mit den richtigen Leuten am richtigen Ort.
Die Reise ging dann alleine weiter, weil sie die komplette Strecke zurück nach Hause fahren musste – ihr Urlaub war vorbei, unserer zum Glück noch nicht. Wir fuhren gemütlich weiter und stolperten dabei über das ein oder andere interessante Kaffee, das irgendwo im Nirgendwo stand, und über Tankstellen, die aussahen, als hätte man sie direkt aus einem alten Westernfilm geklaut. Mopeds hatten die damals sicher keine – eher Kübel mit Wasser für die Pferde und ein paar Äpfel für unterwegs. Und für die Biker… äh, Reiter… gab’s natürlich ein kühles Bier. Manche Dinge ändern sich eben nie, nur die Fahrzeuge werden schneller.
Die letzte Nacht in Chiang Khong: Silvester à la Überraschungsmenü
Nun war die letzte Nacht in Chiang Khong erreicht und der Jahreswechsel stand auch noch an. Klar, dass der Abend etwas Besonderes werden sollte. Also suchten wir uns das beste Lokal mit Top-Bewertung raus, warfen uns in unsere schickste Abendgarderobe – also wie immer in, da wir ja nichts anderes dabei hatten – und düsten los.
Dort angekommen, mit großer Vorfreude, Blick auf den Fluss und dahinter die Reisfelder, die im Abendrot so richtig Romantik versprühten, dachten wir: Perfekter Abend, was soll da schon schiefgehen? Wer uns kennt, weiß natürlich, dass genau DAS der Moment ist, in dem das Universum leise kichert. Beim ersten Blick in die Karte wurde uns schon etwas mulmig. Alles auf Thai, also Google Translate drüber – und plötzlich standen wir vor einer Speisekarte, die eher nach Mutprobe als nach Abendessen klang. Entenschnabel gebacken, Schneckensuppe scharf, Hühnerfüße frittiert, Froschschenkel gebraten – manche hörte man vermutlich noch am Flussufer davonhüpfen. Wir staunten nicht schlecht, fanden aber immerhin einen Fisch mit Knoblauch, der halbwegs normal klang, und einen Meeresfrüchtesalat.
Die Küche war direkt neben uns, und als wir das Messer hörten, lachten wir noch: „Die hackt gerade den Knoblauch – aber ordentlich viel.“ Kein Problem, wir lieben Knoblauch. Als die Vorspeise kam, stürzten wir uns drauf – und die Ernüchterung war brutal. Der Salat war wie Gummi, ohne Geschmack, dafür scharf wie die Hölle. Das fing ja gut an.
Dann kam der Fisch. Wir wurden vorsichtig. Er sah… interessant aus. Viele kleine Stücke, wir dachten noch: „Ah, Filets.“ Nein. Sie hatten nicht den Knoblauch gehackt, sondern den Fisch. Komplett. Und dann frittiert. Mit allem. Mich schüttelte es einmal durch, Jenny sah meinen Gesichtsausdruck und lehnte dankend ab. Kurzer Prozess: sofort zahlen, lächeln, höflich nicken und rauf aufs Motorrad. Hier ein Bild vom gehackten Fisch – in dem alles paniert wurde, vom Auge bis zur Gräte:

Gegenüber war ein neues Lokal, hübsch beleuchtet, viele Leute – also rein. Sehr freundlich empfangen, aber dann erklärte man uns, dass es heute ein Silvesterbuffet gibt. Ein Blick aufs Buffet – und wir lehnten sofort ab. Alles wie drüben, nur noch roh. Der Kellner sah uns an und wusste sofort: „Das wird nix.“ Er empfahl uns ein internationales Lokal am Ende des Dorfes. Wir nahmen die Empfehlung dankend an und düsten los.
Dort angekommen wurden wir auch für die etwas längere Fahrt mit dem Motorrad belohnt: tolles Essen, superliebes Personal, normale Küche ohne Überraschungen. Danach fuhren wir ins Zimmer – und ja, wir haben Silvester verschlafen. Keine Rakete, kein Knaller, kein Lärm.
Wir wunderten uns, aber man erklärte uns später, dass Feuerwerk einfach zu teuer sei und die Menschen lieber gemütlich feiern, Freunde einladen und den Abend genießen. Und ganz ehrlich: Das ist ihnen viel mehr wert als eine Rakete, die fünf Sekunden lang schön aussieht.
Abschied vom Norden & ein bisschen Herzweh
Am nächsten Morgen starteten wir die letzte Etappe von Nordthailand und genossen die letzten Kilometer auf dem Motorrad nach Chiang Mai in vollen Zügen. Obwohl wir ja schon um zwei Tage verlängert hatten und dafür sogar einen Flug sausen ließen, wollten wir eigentlich alles – nur nicht aufhören zu fahren. Wir liebten jede Minute, auch wenn es auf den Straßen manchmal chaotisch zuging.
Die Kurven, die Bambuswälder, die frischen Früchte am Straßenrand oder einfach dieses ständige Lächeln, das man überall bekommt – es fühlt sich an, als wäre hier noch alles normal. Jeder hilft jedem, niemand ist neidisch auf das, was andere haben oder machen. Wer inneren Frieden sucht, sollte einmal hierherkommen und das alles aufsaugen, aber am besten außerhalb der großen Städte. Man wird Gutes erfahren.
Ein Tempelbesuch in Nordthailand ist sehr zu empfehlen, besonders um fünf Uhr morgens, wenn die Mönche beten und singen. Dieser Gesang beruhigt so sehr, dass man automatisch ins Nachdenken kommt – ob man im richtigen Land lebt, ob man etwas ändern sollte, ob man vielleicht zu oft über Dinge nachdenkt, die eigentlich gar nicht wichtig sind.
Wir wurden wieder ein Stück weltoffener und nehmen viele schöne Erinnerungen aus Nordthailand mit. Zum Abschluss besuchten wir noch einen Tempel, legten einen Blumenkranz ab, zündeten Räucherstäbchen an und bedankten uns leise für die wunderbare Zeit, die wir hier erleben durften. Nun verlassen wir den Norden und reisen weiter in den südlichsten Zipfel von Thailand.
Von Chiang Mai nach Bangkok – und ein Flug, der Nerven gekostet hat
Aber da war ja noch was. Der Plan war simpel: von Chiang Mai nach Bangkok fliegen und von dort weiter nach Trang. Klingt easy – war’s aber nicht. Mitten über dem Meer fiel plötzlich etwas Technisches aus und wir mussten umkehren. Halbe Geschwindigkeit, Notlandung in Bangkok. Sehr beruhigend, wenn man weiß, dass der Flieger danach „kurz repariert“ wird und man dann wieder einsteigen darf. Wir waren heilfroh, als das Ding endlich wieder am Boden stand.
Die Aktion kostete uns statt einem halben gleich einen ganzen Tag. Um 20 Uhr standen wir immer noch am Flughafen – Zeitplan komplett im Eimer, eigentlich hätten wir um 13 Uhr schon am Ziel sein sollen. Egal, hilft ja nix. In chaotischen Situationen haben wir ja Erfahrungen. Also Taxi suchen. Und da ging das Theater erst richtig los, denn so spät wollte keiner mehr so weit in den Süden fahren. Zum Glück half uns unser Vermieter und wir kamen doch noch weg.
Ankunft im Süden – Dunkelheit, Bootsfahrt & ein Baumhaus
Unten am Minihafen angekommen brauchten wir noch ein Boot, um auf die Insel zu kommen. Auch da half uns der Taxifahrer. Und dann ging’s los: eine Fahrt über schwarzes Wasser, hinter uns wurden die Lichter immer kleiner, vor uns nur Dunkelheit. Irgendwann tauchte ein schwacher Schimmer auf – selten war ein Licht so erleichternd. Es hatte ein wenig Grusel-Charakter… aber seht selbst.
Am Hafen von Koh Sukorn angekommen fühlte sich fester Boden unter den Füßen wie ein Geschenk an. Mit einem kleinen Moped samt Beiwagen ging es weiter zum Resort, wo unser Baumhaus schon auf uns wartete. Die vier Tage vergingen wie im Flug – na gut, einer davon war beschissen, weil wir beide Magenprobleme hatten. Gehört dazu.
Zum Glück hatte Jenny eine Reiseapotheke dabei, die locker ein kleines Krankenhaus ersetzen könnte. Und die traumhaften Sonnenuntergänge auf der Insel Sukorn halfen bei der Genesung enorm. Die Insel ist autofrei und man findet nur Fahrzeuge wie ein Motorrad oder selbst gebaute Beiwagen.
Tagsüber sah man kaum Menschen, aber abends kamen alle raus und genossen die besonderen Stunden an der kleinen Bar, die fantastische Cocktails machte und das Highlight des Ortes auf Koh Sukorn war. Genau diesen Kontrast wollten wir: Ruhe, Natur, Sonnenuntergänge – die perfekte Pause vor dem nächsten Kapitel.
Zurück nach Bangkok – Shopping-Marathon & letzte Abenteuer
Dann ging es zurück nach Bangkok, denn wir hatten 20 kg Zusatzgepäck gebucht und die wollten wir natürlich füllen. Als erstes ging’s ins MBK, das größte Einkaufszentrum der Hauptstadt. Am nächsten Tag stand der Chatuchak-Markt auf dem Programm – der bekannteste und so riesig, dass man sich dort garantiert verläuft. Wir waren den ganzen Tag in den kleinen Gängen unterwegs, Orientierung gleich null, und denselben Verkäufer zweimal zu finden ist absolut unmöglich. Aber die Eindrücke sind gigantisch und man muss es erlebt haben.
Am Abend erwacht der Markt ein zweites Mal zum Leben. Rundherum entsteht eine Walking Street mit Essensständen, Bars und neuen Verkäufern – das ganze Ambiente verändert sich und wird einfach magisch. Es wurde spät, sehr spät, und die Zusatztasche füllte sich endgültig bis zum Platzen.
Abschied – mit vollem Herzen und neuen Plänen
Leider ging unsere Reise zu Ende und wir mussten den Heimflug antreten, obwohl keiner von uns wollte. Aber wir durften wieder so viel erleben, neue Geschichten sammeln und werden lange von diesem Urlaub zehren. Und im Flieger wurde natürlich schon das nächste Ziel besprochen – im Mai geht’s weiter.
Wer mehr von uns lesen möchte, kann sicher gern in unserem Newsletter anmelden – dann verpasst man nichts mehr. Wir hoffen, wir konnten euch begeistern, mitreißen oder euch zumindest ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wenn ihr mehr über Nordthailand wissen möchtet, könnt ihr hier mal schauen: https://www.tourismthailand.org/Destinations/Provinces/Northern.
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