Thailand mit dem Motorrad – Winterflucht, Chaos & Kurven ohne Ende
Wir fliehen vor dem Winter und landen mitten in einer Thailand Motorradreise – von Bangkok über Chiang Mai bis Pai, inklusive Mae Hong Son Loop, Offroad‑Abenteuer und 1.864 Kurven. Eine Reise voller Chaos, Magie und Dschungelstaub.
Am 20. Dezember geht’s los. Während andere daheim Schneeschaufeln schwingen und über Salz auf der Straße jammern, stehen wir mit der Küchenwaage in der Hand vorm Koffer und diskutieren ernsthaft, ob eine Jeans mit 1,5 kg Eigengewicht wirklich lebensnotwendig ist.
Drei Abende lang wird gepackt, umgepackt, gewogen, geflucht. Handgepäck only – Inlandsflüge 7 kg, Hauptflüge 10 kg, Maße 55×40×20. Der Anzug bleibt daheim, die Jeans auch. Am Ende: Markus 6,5 kg, Jenny Punktlandung 7 kg. Challenge bestanden. Medaille gibt’s keine, aber dafür Urlaub.
Ab ins Auto, Richtung Flughafen München und los geht der Spaß.


Zwischenstopp Dubai – von Kakerlaken bis Burj Khalifa
Der Flug dauert sechs Stunden, ein wenig eng ist es zwar, aber insgesamt gut auszuhalten. In Dubai heißt es dann zuerst einmal: Visa beantragen und raus aus dem Chaos. Zum Glück ist es erst sechs Uhr morgens und die Temperaturen noch halbwegs angenehm. Markus hat – Überraschung des Jahres – sofort Hunger.
In der Altstadt entdecken wir schließlich ein großartiges Lokal mit Blick auf die moderne Skyline und einem marokkanischen Frühstück, das sich wirklich sehen lassen kann. Die Altstadt selbst ist beeindruckend: überall Gewürz- und Parfumstände, intensive Düfte, Händler, die einen freundlich, aber bestimmt in ihre Läden locken wollen – gehört einfach dazu. Alles ist unglaublich sauber, so sauber, dass Markus beim Rauchen fast ein schlechtes Gewissen bekommt, falls ein bisschen Asche danebenfallen könnte. Überall liegt dieser orientalische Duft in der Luft, eine Mischung aus Gewürzen und Parfum.
Unser nächster Plan danach: ein paar Stunden Schlaf in einem „günstigen Hotel“. Wir suchen uns fast zu Tode, bis wir das Gebäude schließlich durch den Vergleich der Online-Fotos finden – im 20. Stock eines Wohnhauses, von außen völlig unscheinbar. Innen… nun ja, nennen wir es „speziell“. Der Vermieter sitzt in schmutziger Kleidung mit Farbklecksen auf einer abgenutzten Couch, daneben sein Kumpel. Freundlich ist er, keine Frage. Aber wenn das Zimmer so aussieht wie dieser Raum, dann gute Nacht.
Er führt uns stolz zu den Gemeinschaftsbädern: ein Waschraum mit einem schief aufgehängten Spiegel, der an einer dünnen Schnur baumelt, offene Elektroleitungen, eine nackte Glühbirnenfassung, rostige und tropfende Wasserrohre, ein Boden, der definitiv schon bessere Tage gesehen hat, und ein Klo, das man besser nicht näher beschreibt. Die Krönung: Aus der Waschmaschine krabbeln Kakerlaken. „Frischmachen“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Barfuß duschen wäre möglich – Fußpilz gäbe es vermutlich gratis dazu.
Im Zimmer selbst wird es nicht unbedingt besser: ein Stockbett, immerhin mit sauberen Laken, und eine Klimaanlage, die so verstaubt ist, dass man am liebsten eine Maske tragen würde. Der Raum misst gefühlt sechs Quadratmeter. Positiv betrachtet: Wenn das Stockbett umfallen würde, hätte es gar keinen Platz dazu. Wir legen uns ohne zu duschen hin und versuchen zu schlafen. Nach vier Stunden flüchten wir – in der Hoffnung, dass wir keine achtbeinigen Mitreisenden im Gepäck haben.
Weiter geht’s zur Dubai Mall. Die Dimensionen sind schlicht überwältigend: perfekt klimatisiert, makellos sauber, riesig. Ein Moped wäre hier tatsächlich praktisch. Am Ende des Tages stehen 27.000 Schritte auf der Uhr. Zum Essen landen wir in einem iranischen Restaurant, das uns komplett begeistert: cremiger Hummus, himmlisches Fladenbrot, Gewürze in allen Variationen.
Danach machen wir uns auf die Suche nach den Dubai Fontänen – was bei der Größe der Mall gar nicht so einfach ist. Draußen erwartet uns dann der Burj Khalifa, vollständig beleuchtet, mit unzähligen LEDs. Markus ist selten sprachlos, aber hier schaut er wirklich wie ein Kind vor dem Christbaum. Die Fontänenshow ist ein Erlebnis: Wasser, Licht und Musik perfekt abgestimmt, dazu die Beleuchtung des Burj – kunstvoll, beeindruckend, unvergesslich. Zum Abschluss sehen wir noch das riesige Aquarium und den mehrstöckigen Wasserfall in der Mall. Nach all diesen Eindrücken reicht es für heute. Ab zum Flughafen – um ein Uhr nachts geht es weiter nach Bangkok.
Bangkok – Khao San Road, Tempel & eine total verrückte Mechanikerstraße
Ankunft um sieben Uhr morgens. Kaum draußen aus dem Flughafen, schlägt uns dieser typische Asien-Geruch entgegen – schwer zu beschreiben, aber eindeutig: Europa ist weit weg, und unsere Nasen wissen es als Erste. Nach einer halben Ewigkeit Diskussion mit den Taxifahrern (wir lassen uns ja nicht übers Ohr hauen, zumindest nicht vor dem ersten Kaffee) sitzen wir endlich im Taxi Richtung Hotel mitten auf der Khao San Road.
Und das ist eine ganz andere Liga. „Partyzone“ beschreibt es ungefähr so gut wie „leicht feucht“ einen Monsun. Erster Geruch: Cannabis. Zweiter Geruch: Menschen. Viele Menschen. Für die Ohren gibt’s alle 50 Meter einen neuen Bass, der ab Einbruch der Dunkelheit vermutlich jeden Lärmschutzbeauftragten spontan in Pension schicken würde. Zum Anschauen aber genial – Markus fühlt sich wie im Paradies. Jenny hingegen verliebt sich sofort in die hintere Straße: gehört auch zur Backpacker-Ecke, aber gemütlicher, mehr zum Sitzen, Essen, Leute beobachten. Schön dekoriert, ein bisschen ruhiger, perfekt zum Durchatmen. Und geht man noch weiter, landet man plötzlich in einer ruhigen, fast schon idyllischen Allee – leise, hübsch, perfekt zum Seele baumeln lassen.
Natürlich darf ein Thailand-Besuch nicht ohne Tempel ablaufen. Also ab aufs Boot am Chao Phraya, rüber zum Wat Arun und weiter zu kleineren Tempeln am Weg. Danach Chinatown – eine der berühmtesten Straßen Bangkoks. Shopping, Essen, Beobachten – alles gleichzeitig möglich. Markus entdeckt ein Fischmenü der Luxusklasse, die Preise passen, also wird gegessen, bis die Stäbchen glühen.
Zwischendurch verirren wir uns in eine Mechanikerstraße: Ölgeruch in der Luft, überall wird gedreht, geflext, geschraubt, und in der Pause gibt’s einen Joint. Am Ende der Straße taucht plötzlich ein Influencer-Café direkt am Wasser auf – teuer wie Sau, aber verdammt cool. Alle müssen vorher durch diese ölverschmierte Gasse, aber das zeigt natürlich keiner in seinen Videos.
Im Café sitzen und Leute beobachten ist wie Kino – nur ohne Popcorn, dafür mit Iced Thai Tea für 8 Euro. Irgendwie wirkt alles wie ein Filmdreh, nur dass wir die einzigen ohne Vertrag sind. Zurück auf der Partystraße wird klar: Schlafen ist hier eher ein Konzept als Realität. Der Bass dringt durch die Wände, die Party geht bis fünf Uhr morgens, und plötzlich versteht man auch, warum das Hotel so günstig war. Wieder was gelernt.
Chiang Mai – Startpunkt für unser Motorradabenteuer
Nach genug Bass, Chaos und Schlafmangel sitzen wir endlich wieder im Flieger – diesmal Richtung Chiang Mai. Und kaum steigen wir aus, fühlt es sich an, als hätte jemand die Welt auf „entspannt“ gestellt. Alles ruhiger, freundlicher, die Preise halbiert, die Luft leichter. Genau der richtige Ort, um unser Motorradabenteuer zu starten.
Abends schlendern wir über die Streetfood-Märkte von Chiang Mai, essen uns glücklich und freuen uns wie zwei Kinder auf die Motorradtour durch Nord-Thailand.
Bei Cat Motors warten zwei Honda CRF 300 L auf uns – so sauber, dass man fast Angst hat, sie anzufassen. Die Leute dort sind superlieb, eigene Werkstatt, alles wirkt vertrauenswürdig. Auch die Rückgabe läuft völlig problemlos. Zur Sicherheit hatten wir ein Video von den Bikes gemacht, aber gebraucht haben wir’s nicht. Wirklich ein top Motorrad-Verleih, und reservieren vorher ist definitiv eine gute Idee. Wir können ihn bedenkenlos weiterempfehlen, wer in Chiang Mai Motorrad mieten möchte. Rucksack aufs Bike, Cardo rein, damit wir uns unterwegs anschreien können – oder Jenny Musik hört – und los geht’s.
Erstmal eine kleine Runde durch Chiang Mai, um den Straßenwahnsinn kennenzulernen. Linksverkehr, gefühlt null Regeln, jeder fährt wie er will, und trotzdem funktioniert’s. Der Italiener drückt drauf, der Franzose fährt wie immer „besonders“, der Grieche lässig-chaotisch – und wir alle gemeinsam auf der linken Spur. Klingt nach Katastrophe, ist aber überraschend geil. Jeder passt auf jeden auf, und nach ein paar Kilometern fühlt es sich an, als wären wir schon ewig hier unterwegs. Nur Kreisverkehre und Kreuzungen sind anfangs… sagen wir: spannend.
Ein Bonus, den wir vorher nicht am Radar hatten: Wer Linkskurven liebt, wird hier glücklich. Die Rechtskurven sind plötzlich die weiten, die linken die engen – aber enge Kurven können wir, also passt das schon. Und als der Tag sich legt, landen wir am Nachtmarkt, schlemmen uns durch alles, was gut riecht, und fallen später glücklich ins Bett.
Mae Hong Son Loop – 1.864 Kurven durch den Dschungel
Die Idee: den Mae Hong Son Loop fahren. Rund 600 km, 1.864 Kurven. Genau unser Ding.
Unser Ziel: Pai. Wir trödeln natürlich, bleiben im Dschungel hängen und finden eine Unterkunft, die man so schnell nicht vergisst: Palmen, Kokos, Bananen, Affen, Vögel – und mittendrin Baumhäuser mit kleinem Lokal. Einfach, aber mit ganz viel Liebe gemacht. Ein Traum.
Am nächsten Tag geht die Kurvenjagd richtig los. Hügel rauf, Hügel runter, Kurve an Kurve, alles eingebettet im Dschungel. Um 12 Uhr – wie könnte es anders sein – hat Markus Hunger. Man könnte wirklich eine Uhr nach ihm stellen. Am Straßenrand finden wir ein kleines Lokal mit Bar, das einladend aussieht.
Die Besitzerin setzt sich ans Klavier und spielt ein Lied nach dem andern. Wir schauen nicht schlecht, genießen die Klänge, die Aussicht auf die Straße und beobachten, was da so alles vorbeifährt. Und glaubt uns, in Thailand gibt es da genug seltsame Fahrzeuge und deren Beladung zu sehen.
Dann weiter zum Mok Fa Waterfall. Markus’ Begeisterung hält sich wie immer in Grenzen, sobald das Wort „gehen“ fällt. „Nur 20 Minuten“, sag ich. Er schaut, als hätte ich „Marathon“ gesagt. Aber gut, wir stapfen los – durch dichten Dschungel, über kleine Holzstege, vorbei an Schmetterlingen, die aussehen, als wären sie aus einem Disney‑Film entlaufen. Und ja, er hat’s überlebt. Und der Wasserfall? Der haut einen wirklich um. Rund 60 Meter hoch, mitten im Dschungel, feiner Sprühnebel überall, und so laut, dass man sein eigenes Fluchen nicht mehr hört. Naturkino vom Feinsten.
Kurz vor Pai taucht dann rechts ein riesiger weißer Buddha auf einem Hügel auf – der Wat Phra That Mae Yen, auch „White Buddha“ genannt. Klar, da müssen wir rauf. Dass das Ganze aus gefühlt 1000 Stufen besteht, sieht man erst, wenn man schon mittendrin steckt. Markus’ Gesicht spricht Bände. Aber oben… oben ist’s einfach nur wow. Der Buddha thront über dem ganzen Tal, Pai liegt unter einem wie ein Spielzeugdorf, und wenn die Sonne gerade richtig steht, sieht alles aus wie ein Postkartenmotiv. Das sind genau die Augenblicke, die wir beim Motorrad fahren Thailand so genießen.
Pai – Hippie‑Vibes, Offroad‑Abenteuer & Reisfelder
In Pai angekommen ging’s zuerst unter die Dusche – und ja, nach der eher frischen Dschungeldusche fühlte sich das hier fast wie Wellness an. Danach stürzen wir uns in die Stadt, denn die Walking Street ruft. Und die ist wirklich ein Erlebnis: überall Essen, das so gut riecht, dass man am liebsten alles gleichzeitig bestellen würde, dazwischen Stände mit richtig hochwertigen Sachen, die man auf so einer Straße gar nicht erwarten würde.
Und mittendrin kleine, liebevoll dekorierte Lokale, in denen man sitzen, schauen und einfach das bunte Treiben genießen kann. Die Mischung aus entspannt, chaotisch und irgendwie magisch hat uns so gut gefallen, dass die Entscheidung schnell gefallen ist: Wir bleiben noch eine Nacht. Warum hetzen, wenn’s gerade perfekt passt?
Bei einem kühlen Bier beschließen wir: Morgen geht’s Offroad in den Dschungel, Richtung Grenze zu Myanmar. Vorher schauen wir uns noch ein Reisfeld an – muss man gesehen haben. Beeindruckend und erschreckend zugleich, was das für Arbeit ist. Daheim reißt man eine Packung auf, kippt Reis in den Topf und denkt keine Sekunde drüber nach.
Offroad zum Doi Dam Viewpoint – Staub, Militär & Wahnsinnsblicke
Am nächsten Tag heißt es: Offroad. Und zwar richtig. Acht Stunden lang. Kaum sind wir aus Pai draußen, wird’s sofort staubig. Erst Palmen, dann Kokos, dann Bananen – und irgendwann übernimmt der Bambus das Kommando, als hätte er den ganzen Wald gekauft. Autos? Vielleicht alle halbe Stunde mal eins. Genau so haben wir uns das vorgestellt: Ruhe, Natur und eine Piste, die sich langsam aber sicher von „Straße“ verabschiedet.
Je weiter wir fahren, desto wilder wird’s. Steile Passagen, Kehren aus tiefem, frisch aufgeschüttetem Sand, bei denen man sich fragt, ob hier jemand versucht hat, eine Sandkiste für Riesen zu bauen. Angeblich ist das die einzige Verbindung zu einem kleinen Dorf hinter unserem Ziel. Glauben wir sofort – freiwillig fährt hier keiner.
Nach einigen Straßensperren steht ein Grenzkontrolleur neben uns, Joint in der Hand, und fragt völlig entspannt, wohin wir wollen und ob wir eh wissen, dass man hier nicht einfach rüberfahren darf. Wir kommen ins Plaudern, rauchen eine gemeinsam (keinen Joint), und er erzählt uns ein bisschen über die Gegend. Alles sehr entspannt – so entspannt, dass man fast vergisst, dass hier eigentlich Militär steht.
Am Aussichtspunkt angekommen, komplett eingestaubt wie zwei panierte Schnitzel, genießen wir erstmal die Stille. Der Blick ist der Wahnsinn. Bis ein Jeep auftaucht und wir wieder mit spannenden Leuten ins Reden kommen. Thailand ist einfach ein Magnet für Geschichten.
Zurück geht’s auf dem gleichen Weg – nur schneller, weil wir jetzt wissen, wo die Sandfallen lauern. In Pai gibt’s als erstes ein eiskaltes Bier, um den Staub runterzuspülen. Die Bikes vor der Bar komplett eingesaut, wir dahinter nicht besser. Jeder, der uns sieht, grinst. Man erkennt sofort: Die hatten Spaß.
Im Zimmer geht’s direkt unter die Dusche. Und während wir so vor uns hin trocknen, taucht sie auf: eine Motorradfahrerin, die neben uns eincheckt – mit Hund! Interesse? Sofort geweckt!

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